Düstere Online-Visionen für das Jahr 2020

742 internationale Internet-Experten prognostizieren der “digitalisierten Menschheit” eine wenig rosige Zukunft: Das hat eine Umfrage des Instituts Pew Internet & American Life Project herausgefunden. Die Forscher aus den Reihen von ICANN, dem World Wide Web Consortium, Vertreter von Google oder IBM wurden befragt, wie sie sich den Menschen im Jahr 2020 vorstellen. Viele der befragten Forscher gehören zu den Pionieren des Internet: Die Hälfte gab an, bereits vor 1993, also vor der Einführung der HTML-Oberfläche, im Netz gewesen zu sein.

In der Zukunftsvision tauchen so genannte “Technikverweigerer” auf: Wer bei der Technoelite zu kurz käme, würde sich möglicherweise gegen die Technisierung der Umwelt wenden – auch gewaltsam. So rechnet mehr als die Hälfte der Experten (58 Prozent) mit einer wachsenden Anzahl von so genannten „Refuseniks“ als eigene kulturelle Gruppierung; diese Refusenicks würden Technik boykottieren und bewusst „offline“ leben. Manche werden, etwa wie in der Vergangenheit der Una-Bomber, sogar mit Anschlägen gegen das Ausbreiten von Technologie reagieren, so die Befürchtungen.

Was die Ausweitung des realen Leben in den Cyberspace angeht, haben gut die Hälfte (52 Prozent) der Experten folgende Meinung: Während einerseits die virtuellen Welten Produktivität fördern, werden sie andererseits zu „ernsthaften Problemen der Abhängigkeit für viele führen, da wir die Leute an alternative Realitäten verlieren.“

Zudem sorgen sich die Experten vor einer drohenden Rundumüberwachung des Bürgers: Was die Überwachung, Sicherheit und Technologien zur Rückverfolgung angeht, soll im Jahr 2020 der Bürger keinerlei Einfluss mehr darauf haben. Intelligente Agenten und verteilte Kontrolle regeln sämtliche Informationsinputs, so die düstere Vision der Forscher. „Technologie jenseits unserer Kontrolle wird Gefahren und Abhängigkeiten generieren, die erst erkannt werden, wenn es schon zu spät ist.“ Alles in allem scheinen die Experten offensichtlich die Zukunft so zu sehen, wie sie in Cyberpunk-Romanen oder pessimistischen Science-Fiction-Filme wie „Terminator“ dargestellt wird.

Die Studie ist als PDF-Datei bei dem Institut herunterladbar.