Microsoft vrs Linux: Kein Grund zur Panik

Der FSFE gibt sich unbeeindruckt von den kürzlich erneut geäußerten Anschuldigungen von Microsoft, Linux und andere Open-Source-Software würde insgesamt 235 Patente verletzten

“Es gibt keine Grundlage für diese Behauptungen. Wenn es davon etwas zu lernen gibt, dann dass Microsoft immer verzweifelter wird und nicht mehr weiß, wie sie der rasanten Entwicklung der freien Software durch Innovation entgegnen können.” sagt Georg Greve, Präsident des FSFE. “Dies ist ein Beweis für den stabilen geschäftlichen Erfolg von Freier Software, nicht nur in technologischer, sondern auch in legaler Hinsicht.”

In einem kürzlich erschienenen Artikel des US-Wirtschaftsmagazine Fortune hatte Microsoft der freien Software massive patentrechtliche Verstösse vorgeworfen. Laut Microsoft verstoße der Linux Kernel gegen 42 Patente, die freien grafischen Benutzeroberfläche gegen 65 Patente, die OpenOffice-Suite gegen 45 Patente, die freien Email-Anwendungen gegen 15 Patente sowie weitere unspezifizierte freie Programme gegen 68 Patente.

Auch vorher hatte Microsoft regelmäßig von den angeblichen Patentverstößen geredet, blieb jedoch bisher jeden Nachweis schuldig. Unwahrscheinlich ist, laut der Unternehmensberatung Gartner, dass Microsoft die Patente gegenüber Endkunden geltend machen wird. Vielmehr scheinen die eigentlichen Adressaten der neuen Anschuldigungen Linux-Distributeure oder andere Firmen zu sein, die mit dem frei verfügbaren Betriebssystem (etwa über Serviceleistungen) Geld verdienen. Microsoft möchte auf diese Firmen Druck ausüben, um sie zu Lizenzzahlungen zu bewegen.

Doch die Freie Software hat mächtige Verbündete. Bereits 2005 haben sich die sechs grossen Unternehmen IBM, Sony, Philips, Novell, Red Hat und NEC zu dem Open Inventions Network zusammengeschlossen, um ein Portfolio von Patenten zu erwerben, die möglicherweise ein Problem für Microsoft darstellen könnten. Falls Microsoft jemals zum Beispiel Red Hat aufgrund von Patent Verletzungen verklagt, könnte das Open Inventions Network Microsoft im Gegenzug verklagen, die Distribution von Windows einzustellen.

“Dies ist ein gutes Beispiel für den Einfluss von Software-Patenten. Der Haupteffekt solcher Patente ist nicht die Innovation, sondern die Monopolisierung und Etablierung einer Lizenz zum Klagen, oder zumindestens zum Verleumden” kommentiert Shane Coughlan, FSFE’s Koordinator für legale Aktivitäten.

Und das US-Wirtschaftmagazine Fortune schreibt: “Es herrscht kalter Krieg, was den Frieden erhält ist die Drohung von gegenseitig garantierter Vernichtung: Patente Armageddon - eine unendliche Serie von Klagen und Gegenklagen, die die Industrie und ihre Kunden zum Stolpern bringen würden.

Quellen:
Fortune Magazine: “Microsoft takes on the free world” by Roger Parloff
FSFE PR: “The MS message: Time to invest in Free Software”